Panta rhei – auch Ihr freies Sprechen!

Es wird von jedem erwartet, aber nie beigebracht. Das gilt für die Steuererklärung genauso wie für das freie Reden vor Publikum. Wo das Ausfüllen der Formulare für das Finanzamt mit der Zeit jedoch seinen Schrecken verlieren und man mit jedem Jahr dazulernen kann, scheint der „Learning-by-doing-Ansatz“ in der Rhetorik nur selten zuzutreffen, unterscheiden sich doch viele Präsentationen im universitären Setting nur unwesentlich von Referaten aus der Schulzeit.
Moderieren wie Präsentieren wollen gelernt sein und professionelle Sprecher in Radio und TV haben eine ebensolche Ausbildung durchlaufen. Was aber machen Profis anders? Worauf baut ihre Fähigkeit, flüssig, frei und überzeugend vor Zuhörern zu sprechen?

Der Sprechtrainer Michael Rossié gibt in Frei sprechen praxisnahe Tipps für ein langfristig fließenderes Vortragen in der Öffentlichkeit. Ein wesentlicher Schritt ist dabei das Bewusstwerden von ungünstigen Angewohnheiten, wie z. B.:

  • Das Dehnen von Wörtern
  • Betonen von sehr vielen Wörtern in einem Satz
  • Sehr langsames Sprechen
  • Häufung von Pausen innerhalb von und zwischen Sätzen
  • Das Ausfüllen von (Gedanken-)Pausen mit den typischen „äh“ und „ähm“
  • Oder das ständige Anheben der Stimme am Ende eines Satz(teils)

Ganz nach dem Grundsatz „das Symptom ist die Lösung“ handelt es sich um verinnerlichte Sprechstrategien, die stets dasselbe Ziel verfolgen: Das Schaffen von Zeit, in der sich der Redner überlegen kann, was er als nächstes sagen muss, um sämtliche Informationen in der „richtigen“ Reihenfolge zu vermitteln. Rossié sieht darin jedoch gerade das Grundproblem vieler Sprecher, denn „[n]ur wenn die Reihenfolge feststeht, fangen wir an zu leiern, weil wir […] zu viel an die Struktur denken.“ (Rossié 2014, S. 22) Er empfiehlt, sich genau von diesem Anspruch zu lösen und stattdessen auf die sogenannte „Sterndramaturgie“ zu setzen (vgl. ibid., S. 114):

Für die Vorbereitung einer Präsentation mit dem Sternensystem teilen Sie Ihren Vortrag in größere Sinneinheiten auf: Dies sind die „Sterne“ Ihres Vortrags; die wesentlichen Stichpunkte zu jedem Themenaspekt bilden hingegen die jeweiligen Sternzacken. Es bietet sich an, jeweils eine Moderationskarte für einen Stern zu verwenden. Alternativ könnte auch jede PowerPoint-Folie einen solchen Stern repräsentieren. Im Unterschied zur „Flussdramaturgie“ (vgl. ibid., S. 118) gibt es hier erstens keine fixe Reihenfolge der Stichpunkte; eine feststehende Gliederung existiert nur auf der Sternen-Makroebene. Zweitens geht es in der Sterndramaturgie nicht darum, ein Thema in seiner Vollständigkeit abzuarbeiten; Sie beginnen innerhalb eines Sterns mit dem Stichpunkt, der Ihnen gerade einfällt oder der für die Zuhörer am interessantesten ist und lassen sich dann zu den nächsten treiben. Gut möglich, dass Ihnen dabei nicht alle „Strahlen“ eines Sterns eingefallen sind, wenn Sie inhaltlich bereits beim nächsten angekommen sind. Die dadurch erreichte inhaltliche Flexibilität ist auch der Grund, warum private Gespräche in der Regel ungleich flüssiger sind als viele Präsentationen. [U]nd wenn etwas so wichtig ist, dass alles gesagt werden muss, dann lesen Sie es vor.“ (Ibid., S. 30)

(Aus: Rossié, Michael. 2014. Frei sprechen in Radio, Fernsehen und vor Publikum. Ein Training für Moderatoren und Redner. Wiesbaden: Springer. )

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Allgemein B: Präsentation und Kommunikation

PowerPoint-Folien für Zuhörer – Wie sieht solch eine Präsentation aus?

PowerPoint-Folien für die Zuhörer – was genau sie ausmacht, kann in diesem Blog-Eintrag nachgelesen werden. Wie eine solche Präsentation jedoch konkret aussehen kann, bleibt Ihnen der Eintrag jedoch schuldig. Das soll in diesem Video nachgeholt werden, in dem ich meine bisherige „Clicker in der Hochschule“-Präsentation der nach den Grundsätzen Akash Karias überarbeiteten Version gegenüberstelle.

Allgemein B: Präsentation und Kommunikation

PowerPoint-Folien für die Zuhörer

Was macht den Unterschied aus zwischen einer guten und einer schlechten PowerPoint-Folie? Dass dies keine triviale Frage ist, zeigt allein die Flut an Ratgeberliteratur zu diesem Thema. Wäre alles so einfach, hätte sich längst ein Standardwerk durchgesetzt.
Will man sich tatsächlich einer möglichen Antwort nähern, muss zunächst eine andere Frage im Mittelpunkt stehen: Dienen Präsentationsfolien dem Referierenden oder den Zuhörern?

Sieht man PowerPoint-Präsentationen vor allem als visuelle Stütze für die Zuhörenden, ergeben sich einige Design-Kriterien, die „gute“ Folien ausmachen:

  • Gestalten Sie Ihre Folien stets für den Zuhörer am anderen Ende des Raums – auch wenn Schriftgrößen von 40 Pt. und größer zunächst zu mächtig erscheinen mögen.
  • Auf diese Weise vermeiden Sie auch „Slideuments“ (Garr Reynolds), d.h. textlastige Folien. Sie wirken auf den Zuhörer nicht nur ermüdend; seine Aufmerksamkeit ist auch zweigeteilt zwischen Redner und Folie. Zudem verleiten sie dazu, den Text einfach abzulesen. Das Problem dabei: „If you and your slides are saying the same thing, one of you is not needed.“ (Karia 2015, S. 40)
  • Erstellen Sie so viele Folien wie nötig, aber achten Sie darauf, dass jede einzelne nur je eine Idee aufgreift. Statt einer Aufzählungsliste mit fünf Punkten wären demnach auch fünf einzelne Folien denkbar.
  • Jede Folie sollte innerhalb von drei Sekunden verstanden werden. Ansonsten verlieren Sie die Aufmerksamkeit der Zuhörer, die versuchen werden, die Folie zu decodieren.
  • Greifen Sie so oft wie möglich auf Bilder zurück, die die gesamte Folie ausfüllen. Sie sind es, die dafür sorgen, dass nicht nur Ihre Präsentation insgesamt, sondern auch deren Inhalte im Gedächtnis des Publikums bleiben. Ein positiver Nebeneffekt ist die Varianz des Präsentationslayouts. Datenbanken wie Wikimedia Commons oder Pixelio bieten Ihnen ein breites Spektrum an kostenlosen, hochaufgelösten Bildern an, mit denen Sie arbeiten können. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl kostenpflichtiger Anbieter, bei denen Sie gezielt einzelne Fotos oder Kontingente einkaufen können.
  • Wenn Sie großformatige Bilder mit Text kombinieren möchten, können Sie für eine bessere Lesbarkeit das Textfeld einfärben und mit einem Transparenzeffekt versehen. Wählen Sie in PowerPoint hierzu das Textfeld an und klicken Sie danach auf die rechte Maustaste. Im Kontextmenü können Sie nun die „Form formatieren“. Unter „Füllung“ lässt sich eine Hintergrundfarbe einstellen – bspw. weiß – und die Transparenz einstellen.
  • Ordnen Sie die Elemente innerhalb einer Folie nach der Drittel-Regel an: Teilen Sie die Folie in neun gleichgroße Teile und orientieren Sie sich bei der Platzierung von Text und Bildern an den vier mittleren Schnittpunkten oder den Trennlinien. Zum Anlegen solcher Orientierungslinien in PowerPoint klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Bereich außerhalb der Folie. Im sich öffnenden Kontextmenü finden Sie dann den Punkt „Raster- und Führungslinien“. Hier können Sie u.a. horizontale und vertikale Linien hinzufügen.

(Aus: Karia, Akash. 2015. How to Design TED Worthy Presentation Slides. Presentation Design Principles from the Best TED Talks. North Charleston: CreateSpace.)

B: Präsentation und Kommunikation

Stimmtraining für die Lehrveranstaltung

Lautes, klares und v.a. vieles Sprechen ist eine Kunst für sich. Mit Körper, Atem, Stimmklang, Artikulation, Satzmelodie und nicht zuletzt dem Tempo gilt es, gleich sechs Parameter zu berücksichtigen. Alle gleichzeitig im Blick zu haben, kann leicht zu einer Überforderung führen. Mit folgenden Tipps können Sie sich gezielt mit den für Sie wichtigen Aspekten des Sprechens befassen und so nach und nach Ihr Sprechen perfektionieren:

Der Körper: Richten Sie Ihren Körper auf; strecken Sie hierzu die Wirbelsäule nach oben und legen Sie Ihre Schultern leicht nach hinten. Versuchen Sie zudem, bauchgestützt zu sprechen. Beobachten können Sie dies am besten bei Säuglingen, die beim Schreien sehr viel mit Ihrem Bauch arbeiten.

Der Atem: Lösen Sie nach jeder Ausatmung die Spannung im Bauch und erlauben sie es sich, dass sich der Bauch dabei nach außen wölbt. Versuchen Sie, einen gleichmäßig fließenden Atem zu erreichen – die Stimme wirkt dadurch wesentlich ruhiger.

Der Stimmklang: Sprechen Sie vermehrt in Ihrer Indifferenzlage. In dieser Stimmlage können Sie nicht nur lange Zeit ohne größere Anstrengungen reden, Ihre Stimme ist hier zudem besonders resonant. Zum Finden Ihrer Indifferenzlage empfiehlt Monika Hein ein gelangweiltes Zahlen-Zählen, ein zustimmendes „Mh-hm“ oder auch das Zurückbesinnen auf einen Genuss-Moment (Mhhhh!).

Die Artikulation: Schaffen Sie einen möglichst großen Raum im Mund, damit sich der Klang entfalten kann. Wichtig hierfür sind neben dem Heben des Gaumensegels (geschieht automatisch beim Gähnen) drei Parameter: ein lockerer Kiefer, eine bewegliche Zunge und flexible Lippen. Trainieren können Sie dies wie folgt: Streichen Sie Ihre Kiefermuskulatur aus und bewegen Sie Ihren Kiefer vorsichtig kreisförmig. Für eine flexible Zunge können Sie Kreise auf Ihrem harten Gaumen zeichnen und jeden Zahn einzeln mit Ihrer Zunge antippen. Die Lippen können Sie trainieren, indem Sie sie spitzen und ausbreiten oder nach innen ziehen und dann zu einem „Kussmund“ formen.

Die Satzmelodie: Setzen Sie wichtige Informationen ab, indem Sie am Ende des Satzes mit der Stimme nach unten gehen und geben Sie den Zuhörern Zeit, das Gesagte zu verarbeiten.

Das Tempo: Sprechen Sie immer dann langsamer, wenn wichtige oder neue Informationen fallen. Bereits Bekanntes dagegen können Sie in einem höheren Tempo abhandeln.

(Quelle: Monika Hein. 2014. Sprechen wie der Profi. Das interaktive Training für eine gewinnende Stimme. Frankfurt a.M./New York: Campus.)

B: Präsentation und Kommunikation