Nur die wenigsten Führungskräfte werden auf ihre verantwortungsvolle Arbeit vorbereitet und meistens gar vollends ins kalte Wasser geworfen. Dabei werden Führungskompetenzen nicht erst als Lehrstuhlinhaber notwendig – jeder Dozierende leitet Lehrveranstaltungen. Die Serie „Führungskniffs“ soll dabei helfen, die Rolle als Führungsperson entspannter einnehmen zu können.

„Ja, aber…!“ – die wahrscheinlich häufigste Antwort auf Ratschläge und Überzeugungsversuche. Der Grund für das offensichtliche – und bisweilen sture – Verwehren gegenüber jeden Wortes der Weisheit liegt nach Christian-Rainer Weisbach und Petra Sonne-Neubacher in einer (gefühlten) fehlenden Wertschätzung. Dies geschieht in den Augen des anderen bereits dann, wenn er sich von seinem Gegenüber nicht verstanden fühlt. Aber auch das Argumentieren für die eigene Position schließt implizit ein Argumentieren gegen die des anderen ein. Problematisch wird dies dann, wenn der Gesprächspartner seine Position mit seiner Person identifiziert – völlig klar, dass in diesem Fall ein Einlenken undenkbar ist, wenn er sich keiner Weise verstanden und gar angegriffen fühlt.

Möchte man sich nicht nur auf seine Autorität berufen, um Studierende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Kooperation zu bewegen, empfehlen Weisbach und Sonne-Neubacher eine wertschätzende Grundhaltung. Ausschlaggebend für Wertschätzung ist das uneingeschränkte Ernstnehmen des Gegenübers und seiner Position. Dafür ist es jedoch notwendig, die Position des anderen zunächst zu verstehen und sich dafür auch die Zeit zu nehmen (wird dies nicht getan, weil die eigene Zeit wichtiger erscheint, wird dies häufig wiederum als mangelnde Wertschätzung ausgelegt). Weisbach und Sonne-Neubacher arbeiten in diesem Zusammenhang bewusst mit der Metaphorik des Bildes: Man muss erst von demselben Bild bzw. derselben Sichtweise sprechen, bevor neue Handlungsoptionen für den anderen überhaupt vorstellbar werden: Auch der beste Rat bleibt unberücksichtigt, wenn er gerade nicht ins Bild des Gegenübers passt. (Vgl. Weisbach/Sonne-Neubacher 2013, S. 224, 284f.)

Wie aber kann man sich sicher sein, dass man von demselben Bild spricht? Folgende Gesprächstechniken können Ihnen dabei helfen, den anderen besser zu verstehen:

  • Versuchen Sie, das Gesagte zunächst zusammenzufassen, jedoch ohne Einfärbung durch die persönliche Einschätzung
  • Fragen Sie nach, aber nicht aus; erbitten Sie also lediglich weitere Informationen zu dem tatsächlich Gesagten – und nicht zu dem, was Sie daneben interessieren würde
  • Greifen Sie auf einschränkende Wiederholungen zurück: So ist es denkbar, einer Absage mit „Sie können mir im Moment also nicht helfen“ zu begegnen. Sehr wahrscheinlich werden Sie dann eine Bestätigung genau hierfür erhalten. So wird neben dem Versuch, den anderen zu verstehen, auch die Möglichkeit eröffnet, über einen geeigneteren Zeitpunkt zu verhandeln
  • Sprechen Sie Besonderheiten in Mimik und Gestik des Gegenübers direkt an, um auch etwas über seine Gefühlswelt zu erfahren. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Gesprächspartner tatsächlich blasser im Gesicht geworden ist, können Sie Ihre Bemerkung auch mit einer reflexiven Frage entschärfen: „Ich frage mich, ob Sie gerade blasser geworden sind.“ Diese Selbstaussage eröffnet dem anderen die Freiheit, ohne Gesichtsverlust darauf einzugehen oder die Bemerkung zu ignorieren.

(Aus: Weisbach, Christian-Rainer; Sonne-Neubacher, Petra. 2013. Professionelle Gesprächsführung. Ein praxisnahes Lese- und Übungsbuch. München: dtv.)

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