Im Blogeintrag vom 11.9.2015 wurde es schon angesprochen: Fast jeder Studierende besitzt mittlerweile ein Mobile Device. Warum sollte man sich als Dozierender dies nicht zunutze machen – vielleicht in Form von Podcasts?

Podcasts können von jedem internetfähigem Gerät abgespielt werden. Richtig eingesetzt dienen sie nicht nur der Lehrstoff-Vermittlung, sie schulen auch die Zuhörfertigkeit insgesamt. Dass Zuhören eine Kompetenz ist, die keinesfalls selbstverständlich ist, ist Ihnen vielleicht schon auf Tagungen aufgefallen: Sie werden dort immer wieder Teilnehmer finden, die eher mit ihren Augen als mit den Inhalten zu kämpfen haben. Auch Kommunikationstrainer wie Christian Weisbach merken an, dass viele Gespräche daran scheitern, dass man den anderen zwar hört, aber nicht zuhört (vgl. z. B. Weisbach 2013, S. 145).
Studierende haben durch Podcasts zudem die Möglichkeit, sich Lernstoff während ihren Freizeitaktivitäten anzueignen und auch Leerlaufzeiten wie das Schlangestehen an der Kasse oder Bus- und Bahnfahrten effektiv zu nutzen – es wird also ein ganz neuer Lernraum geschaffen.
Entscheidend für Sie als Lehrkraft dürfte jedoch sein, dass Sie durch das Verwenden von Podcasts Ihre Präsenzveranstaltung entschlacken können, indem Sie einige Inhalte in Form von Audiodateien outsourcen. Oder Sie lassen die Studierenden selbst ans Mikrofon. Dann können Podcasts Referate ersetzen und somit wiederum zur Zeitersparnis beitragen.

Das Problem von Podcasts ist jedoch, dass sie in der Regel nur nebenbei gehört werden. Der Studierende kann also jederzeit von seiner gleichzeitig ablaufenden Tätigkeit abgelenkt werden, sobald sie für ihn interessanter wird als das, was Sie zu sagen haben. Noch dazu hat das menschliche Gehirn nur begrenzte Kapazitäten beim Verarbeiten von Informationen.

Damit Podcasts in der Lehre dennoch funktionieren, können Sie beim Texten auf folgende Punkte achten:

  • Nennen Sie zu Beginn des Podcasts das konkrete Lernziel
  • Schaffen Sie Anknüpfungspunkte zum Vorwissen der Zuhörer, um „träges Wissen“ zu vermeiden
  • Streuen Sie immer wieder interessante Anekdoten aus Ihrem Wissenschaftsalltag ein, um das Interesse der Studierenden aufrechtzuerhalten
  • Wenn Sie mehr als ein Thema in Ihrem Podcast ansprechen möchten, fügen Sie einen Jingle als akustische Trennung ein
  • Hintergrundmusik kann Monotonie – und damit ein Abschweifen des Studierenden – verhindern
  • Lassen Sie keine zu hohe Informationsdichte aufkommen. Ausschlaggeben dafür ist die Anzahl der Propositionen im Satz
  • Lösen Sie daher Partizipien, Substantivierungen und Komposita weitestgehend auf
  • Verzichten Sie soweit möglich auf Passivkonstruktionen
  • Schachtelsätze erschweren das Verständnis deutlich. Denken Sie daran, dass der Zuhörer – anders als Leser – nicht ohne weiteres wieder zum Satzanfang springen kann.
  • Verwenden Sie Synonyme nur sehr sparsam
  • Ihr Podcast sollte jeweils nicht länger als 20 bis 30 Minuten dauern.

(Aus: AG eLearning. 2013.: eTeaching kompass. Anregungen für online-unterstützte Lehre. Universität Potsdam, http://uni-potsdam.de/agelearning/wp-content/uploads/2013/08/eTEACHiNGkompass-1-14-Sammelmappe-August-20131.pdf
Handke, Jürgen; Schäfer, Anna Maria. 2012: E-Learning, E-Teaching und E-Assessment in der Hochschullehre. Eine Anleitung. München: Oldenbourg.
Schmidt, Christian. 2014: Podcasts in pädagogischen Kontexten: Einsatzmöglichkeiten und effektive didaktische Ausgestaltung innovativer Audiomedien. Hamburg: Diplomica.
Weisbach, Christian-Rainer; Sonne-Neubacher, Petra. 2013. Professionelle Gesprächsführung. Ein praxisnahes Lese- und Übungsbuch. München: dtv.)

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